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Mehrere Noten auf einmal

In diesem Abschnitt gehen auf das notieren mehrerer Noten zur selben Zeit ein: Mehrere Instrumente, mehrzeilige Notensysteme für ein Instrument (z.B. Klavier) und Akkorde.

Polyphonie in der Musik bedeutet, dass mehrere Stimmen in einem Musikabschnitt auftauchen.
Polyphonie bei LilyPond heißt, dass mehrere Stimmen in einer Notenzeile notiert werden.

Musikalische Ausdrücke erklärt

In LilyPond Eingaben wird Musik durch musikalische Ausdrücke ersetzt. Eine einzelne Note ist eigentlich ein solcher Ausdruck, gleichwohl er alleinstehend nicht korrekt ist.

    a4



Eine Gruppe von Noten in geschweiften Klammern { } erstellt einen korrekten
musikalischen Ausdruck:

  { a4 g4 }



Mehrere musikalische Ausdrücke zusammengefasst in geschweifte Klammern ergeben einen neuen musikalischen Ausdruck:

    { { a4 g } f g }

Gleichzeitige musikalische Ausdrücke: Mehrzeilige Notensysteme

Diese Technik ist für polyphone Musik nützlich. Um Musik mit mehreren Stimmen oder Notenzeilen pro System einzugeben, kombinieren wir die Ausdrücke parallel. Um anzuzeigen, dass zwei Stimmen gleichzeitig spielen sollen geben wir also einfach eine Kombination mehrerer Ausdrücke ein. Ein "gleichzeitiger" musikalischer Ausdruck muss durch "<<" und ">>" eingerahmt werden. Im folgenden Beispiel kombinieren wir drei Sequenzen (mit jeweils zwei Noten), die gleichzeitig gespielt werden sollen:

  \relative c'' {
    <<
      { a4 g }
      { f e }
      { d b }
    >>
  }



Wir haben bei der Eingabe unterschiedlich viel Platz gebraucht. Das ist LilyPond egal, es verbessert die Lesbarkeit aber ungemein.

Achtung: Jede Note wird auch hier relativ zur vorhergehenden verarbeitet und nicht zur Angabe " c''  im \relative-Befehl.

Gleichzeitige musikalische Ausdrücke: Einzeilige Notensysteme

Um festzulegen, wie viele Notenzeilen in ein Notensystem gesetzt werden  beachtet LilyPond den ersten Ausdruck. Ist dieser eine einzelne Note, setzt es eine Zeile. Sind gleichzeitige Ausdrücke angegeben, erstellt es mehrzeilige Systeme. 

  \relative c'' {
    c2 <<c&nbsp;e>>
    << { e f } { c <<b&nbsp;d>> } >>
  }



Analog dazu: mathematische Ausdrücke

Dieser Mechanismus ist mit mathematischen Formeln vergleichbar: Eine große Formel wird durch das Erstellen einzelner kleinerer Formeln zusammengesetzt. Solche Formeln werden ebenfalls Ausdrücke genannt und Ihre Definition ist rekursiv, so dass man willkürlich komplexe und große Ausdrücke.

Beispiel:
  1
  1+2
  (1 + 2) * 3
  ((1 + 2) * 3) / (4 * 5)

Hier sehen Sie eine Sequenz von Ausdrücken, wobei jeder in dem nächstgrößeren Ausdruck wieder enthalten ist. Der einfachste solcher Ausdrücke ist eine einzelne Zahl, während größere aus mehreren Zahlen bestehen, die durch Operatoren (wie "+", "-", "*" und "/") kombiniert und in Klammern zusammengefasst werden. Wie diese mathematischen Ausdrücke können auch musikalische uneingeschränkt tief ineinander verschachtelt werden. Dies ist zum Beispiel für große polyphone Partituren notwendig.

Alphamusic

Mehrzeilige Systeme

Wie wir bereits gesehen haben, bestehen LilyPond-Dateien aus musikalischen
Ausdrücken. Wenn das System aus mehreren gleichzeitigen solcher Ausdrücke beginnt, erstellt LilyPond multiple Notenzeile. Dennoch ist es einfacher zu verstehen was dort passiert, wenn wir die Notenzeilen selber erstellen. Um mehr als eine Notenzeile auszugeben, wird jedes Stück Musik, das in einer neuen Zeile stehen soll mit dem Befehl \new Staff markiert. Diese Zeilen werden parallel kombiniert und mit den, uns schon bekannten, "<<" und ">>" umrahmt:

  \relative c'' {
    <<
    \new Staff { \clef treble c }
    \new Staff { \clef bass c,, }
    >>
  }


Der Befehl \new leitet einen "musikalischen Zusammenhang" ein. Dieser stellt eine Umgebung dar, in der musikalische Vorgänge verarbeitet werden (z. B. Note oder \clef- Befehle). In einfachen Fällen, werden diese Zusammenhänge automatisch erstellt. Bei komplizierteren Zusammenhängen sollten diese selbst erstellt werden. Es gibt einige Arten von musikalischen Zusammenhängen. "Score", "Staff" und "Voice" handhaben melodische Notation, während "Lyrics" Text unter die Noten setzt und "ChordNames" Akkordbezeichnungen ausgibt.

Betrachten wir die Syntax, können wir feststellen, dass \new aus einem bestehenden musikalischen Ausdruck einen neuen, größeren macht. Vergleichen können wir dies mit dem Minuszeichen der Mathematik. Die Formel (4+5) ist ein Ausdruck und -(4+5) ist ein größerer Ausdruck.

Angaben zur Taktart in einer Zeile werden in die folgenden übernommen. Anders die Vorzeichen. Diese gelten nur für die Zeile eines Systems, in der sie definiert werden.

  \relative c'' {
    <<
    \new Staff { \clef treble \time 3/4 c }
    \new Staff { \clef bass \key d \major c,, }
    >>
  }

Klaviersysteme

Klaviernoten stehen in einem zweizeiligen Notensystem, dass mit einer geschweiften Klammer eingefasst wird. Eine solche Zeile wird ähnlich der oben genannten Methode definiert. Sie wird jedoch zusätzlich in einen "PianoStaff" eingefügt.

  \new PianoStaff
    <<
    \new Staff ...
    \new Staff ...
    >>

Beispiel:

  \relative c'' {
    \new PianoStaff
      <<
      \new Staff { \time 2/4 c4 e g g, }
      \new Staff { \clef bass c,, c' e c }
      >>
  }

Polyphonie in einer Zeile

Sollen verschiedene, unterschiedliche Stimmen in einer Zeile notiert werden, erhält jede Stimme eigene Notenhälse, Bögen und Balken. Bei der oberen Stimme zeigen diese nach oben und in der unteren nach unten.

Diese Konstruktion wird durch die Eingabe mehrerer Sequenzen (in { . . . } ) die parallel gesetzt werden ( mit << und >>) und durch "\\" getrennt werden.

    <<
    { a4 g2 f4~ f4 } \\
    { r4 g4 f2 f4 }
    >>



Bei derartigen polyphonen Notationen kann es sinnvoll sein, eine "unsichtbare Pause" zu verwenden. Diese füllen Stimmen auf, die gerade nicht spielen, ohne ausgegeben zu werden. Hier nochmal das obige Beispiel mit einer solchen unsichtbaren Pause (verwenden Sie "s" statt "r"):

  <<
    { a4 g2 f4~ f4 } \\
    { s4 g4 f2 f4 }
  >>



Wie bereits erwähnt, lassen sich solche Ausdrücke beliebig verschachteln

  <<
    \new Staff <<
      { a4 g2 f4~ f4 } \\
      { s4 g4 f2 f4 }
  >>
  \new Staff <<
    \clef bass
    { <c&nbsp;g>1 ~ <c&nbsp;g>4 } \\
    { e,,4 d e2 ~ e4}
  >>
  >>

Noten zu Akkorden kombinieren

Akkorde können durch das einklammern der Notennamen mit "<" und ">"gesetzt werden.

    r4 <c&nbsp;e&nbsp;g>4 <c&nbsp;f&nbsp;a>2



Das ganze können Sie mit Balken und Bögen kombinieren. Diese müssen jedoch
außerhalb der Klammern stehen:

    r4 <c&nbsp;e&nbsp;g>8[ <c&nbsp;f&nbsp;a>]~ <c&nbsp;f&nbsp;a>2



    r4 <c&nbsp;e&nbsp;g>8\>( <c&nbsp;e&nbsp;g> <c&nbsp;e&nbsp;g>4 <c&nbsp;f&nbsp;a>\!)

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